Die Ochsenfurter Rathausuhr

Wem die Stunde schlägt

Das Uhrwerk im zweiten Turmgeschoss ist in einem aus Eisen geschmiedeten und durch Keile zusammengehaltenen Rahmen untergebracht. Etwa 1,3 Meter lang 0,80 Meter breit und ebenso hoch ist dieses Werk. Es besteht aus dem Gehwerk, dem Viertelstundenschlagwerk und dem Spielwerk. Schwere Gewichte aus Gusseisen treiben die beiden ersten an, das Stundenschlagwerk wird von einen etwa zwei Zentner schweren Muschelkalkstein, nicht unähnlich einem Hinkelstein, angetrieben. Die nötige Energie wird einmal täglich vom "Uhrenaufzieher" eingebracht. Er hat die Aufgabe, mittels dreier Kurbeln und mit jeweils über 100 Umdrehungen die Gewichte wieder hochzuziehen. Dann läuft die Uhr wieder maximal 27 Stunden. Eine kleinere Handkurbel in Geschoss darunter muss auch noch täglich gedreht werden. Das kleine Gewicht, welches hier nach oben gekurbelt wird, betätigt dem Mechanismus der Sanduhr. Doch dazu später mehr.

 

Das Gehwerk

Früher besaß es einen über dem Werk schwingenden Unruhbalken. Wahrscheinlich im Jahre 1801 wurde es auf Hakenhemmung umgebaut. Ein drei Meter langes Pendel bestimmt nun die Zeit. Über ein Kardangelenk wird von der Welle der Aufzugswalze das Zeigergetriebe angetrieben. Auf dieser Welle ist auch ein Schneckenrad, über welches die astronomische Uhr darüber angetrieben wird. Hier wird die Mondphase und über einen Zeiger das Mondalter in Tagen angezeigt.

 

Das Viertelstundenschlagwerk

Für den langsamen Ablauf des Viertelstundenschlagwerkes sorgt ein vierflügeliger Windfang. Er ist offensichtlich eines der ältesten Bauteile der Uhr, denn in einem Flügel ist die Jahreszahl 1505 eingearbeitet. Geschlagen werden die Viertel, Halben, Dreiviertel und Vollen Stunden. Jeweils ein, zwei, drei und viermal. Dabei wird durch die Hebelmechanik die Viertelstundenglocke entsprechend angesteuert. Über einen zusätzlichen Nocken wird zur vollen Stunde nach den vier Schlagen der Glocke das Spielwerk ausgelöst.

 

Das Spielwerk


Hier erscheint die Jungfrau zu jedem Stundenschlag
und so sieht die über 450 Jahre alte Dame außerhalb ihres Türmchens aus: 

So richtig wird die Hunderte von Jahren alte Mechanik zur vollen Stunde gefordert. Zunächst wird der Tod aktiv. Einmal zur vollen Stunde schwingt er seine Hippe, nickt dazu und dreht die Sanduhr um. Wieder einmal hat einem Menschen die letzte Stunde geschlagen, heißt das.
Dann passiert alles gleichzeitig: So oft wie die Stunde an der Großen Glocke oben im Turm angeschlagen wird, genauso oft stoßen auch die Wappentiere der Stadt, zwei Ochsen ganz oben am Turm mit dem Köpfen zusammen. Links und rechts des Totengerippes erscheinen zu jeden Glockenschlag zwei Ratsherren aus den sich öffnenden Butzenscheiben der Fensterchen. Der Bürgermeisterkopf bewegt seinen Unterkiefer, gerade so, als ob er eine Ansprache an das unten versammelte Volk richten würde. In der unteren Turmspitze verschwindet das fränkische Wappen und eine Jungfrau verneigt sich. Alles bewegt durch das Gewicht des Zweizentnersteines rechts  im Bild.