Der schwere Verkehrsunfall an der Hohestadter Strasse 


Original Zeitungsbericht aus dem "Ochsenfurter Stadt und Landboten" 

Ochsenfurt, am 1. Juli 1929

Schweres Auto-Unglück. – 2 Tote, 21 Verwundete.

Einen schrecklichen Abschluß sollte das Sommerfest finden, das am Peter- und Pauls-Feiertag von der hiesigen Freiwilligen Sanitätskolonne auf der Wilhelmshöhe abgehalten worden war. Während des Rückmarsches der Festteilnehmer zur Stadt gegen ¼ 22 Uhr fuhr das diesen nachfolgende alte Sanitätsauto auf dem abschüssigen Hohestadter Fahrweg etwa 130 Meter oberhalb des Gebr. Nestler’schen Kalkwerkes in die aufgeschlossene Marschkolonne und brachte Tod und Verwundung in die bislang fröhliche Menge der Festteilnehmer. Neben zwei Todesfällen sind 21 mehr oder weniger schwere Verletzungen zu beklagen. 

Getötet wurden die 54 jährige Steinmetzehefrau Lotte Michel (Schädelbruch) und der 7-jährige Arbeiterssohn Heinrich Walz (ebenfalls Schädelbruch). Schwer verletzt wurden Kolonnenführer Fritz Bissinger (komplizierter Bruch des rechten Unterschenkels), Schuhmacher Johann Achstätter (Oberkieferzertrümmerung), Händler Andr. Ott (Schädel-und Oberschenkelbruch, Verlust des linken Ohres), der 14 jährige Sohn Franz des Tünchners Bernhard Aufmuth (Unterkieferbruch, Verletzungen an beiden Knien), der 19 jährige Sohn Adam des Landwirts Georg Hofmann (Unterschenkelbruch), der Arbeiter Andreas Lieberger (Rippenbrüche und –Quetschungen, Bauchverletzungen durch Überfahren), der 20 jährige Landwirtssohn Wilhelm Hecht (komplizierter Beinbruch).

Verletzungen weniger gefährlicher Art erlitten der 24 jährige Mälzerssohn Rudolf Beher (Weichen-, Ober- und Unterschenkelverletzungen durch Überfahren), - Beher wollte am gestrigen Sonntag Hochzeit feiern! – Karl Günther, Flößerei = Hilfsarbeiter aus Goßmannsdorf (Weichteilequetschungen an den Unterschenkeln), der 18 jährige Sohn Hans des Zimmermanns Franz Kohlenberger (ausgedehnte Quetschungen an Armen und Beinen), derWerkzeugmacher August Ziegler (Weichenverletzungen, Gehirnerschütterung, tiefergehende Verwundung am Kopf und den beiden Füßen), der Schreiner und Musiker Franz Langer (ausgedehnte Verwundung im Gesicht, an der rechten Hand und den Beinen), der Schuhmacherssohn Franz Zehnter (Bruch zweier Rippen vermutlich infolge eines am Unglücksplatze erlittenen epileptischen Anfalles), der ledige Schmied Anton Hörner (ausgedehntere Quetschungen), der Landwirt Georg Stolz (Rippenquetschung), der Beifahrer am Auto der Bezirksgemeinde Heinrich Kuhn (Knie- und Hüftverletzung), der Tünchner Bernhard Aufmuth (Verletzung am Kopf), der Kellner Andreas Lutz (Kopfverletzung, Hautabschürfungen), der Lastkraftwagenbeifahrer im Ankerbräu Andreas Hergenröther (Armverletzung), der Hefenhändler Christian Kraus (Verletzung im Gesicht) und der Kellermeister Philipp Braun (Kopfverletzung).

Die Verletzten Achstätter, Bissinger, Franz Aufmuth, Ott, Lieberger, Hecht und Hofmann wurden ins Würzburger Luitpoldspital überführt, während die übrigen im Bezirkskrankenhause oder in ihrer Häuslichkeit behandelt werden. Die beiden Leichen wurden durch eine Gerichtskommission beschlagnahmt und gestern vom Leichenhause aus in das Würzburger Universitätsinstitut für gerichtliche Medizin überführt. Der unglückliche Lenker des Autos,das im Verlaufe des gestrigen Nachmittags von einem Gerichtssachverständigen auf seine Beschaffenheit hin geprüft worden war, der verheiratete Steinmetz Hans Bissinger, musste sich zur Verfügung der amtlichen Untersuchungskommission halten, konnte aber schon im Verlaufe des Abends zu seinen Angehörigen zurückkehren. 

Ärztliche Hilfe war bald zur Stelle. Als erster war Dr. Brümmer auf der Unfallstätte erschienen, wo er von Medizinalpraktikant Ziegler unterstützt wurde. Außer diesen war in Kürze zur Stelle der Vertreter des beurlaubten Sanitätsrats Dr. Sack, Dr. Kahlsdorf von der Medizinischen Poliklinik Würzburg mit Dr. Schmitt – Sommerhausen. Vier von Marktbreit und Kitzingen zur Hilfeleistung angerufene Ärzte brauchten nicht mehr in Tätigkeit zu treten, nachdem bereits bis ¾ 23 Uhr die Toten wie die Verletzten weggeschafft worden waren. Neben der nützlichen Mithilfe in der Beförderung der Verwundeten durch Unbeteiligte haben sich zwei Frauen rühmenswürdig hervorgetan: die Gattin des praktischen Arztes Dr. Brümmer und die Stadthebamme Frl. Therese Hirth.

Die Zeitung berichtete einige Tage später weiter: 

    

Die Geschichte wurde mir 2004 von dem damals 90 jährigen Ochsenfurter Landwirt Stefan Seiffert erzählt. In alten Zeitungen fand ich dann im Ochsenfurter Stadtarchiv diese Seiten.

 

Dieses Bild wurde mir freundlicherweise von Herrn Hans Hohe dem ehemaligen Stadtarchivar aus Ochsenfurt zur Verfügung gestellt, es zeigt die Sanitätskolonne am Vormittag des Unglückstags beim Abmarsch am Bahnhof. 

Der ehemalige Stadtkämmerer Fritz Deucker erzählte noch, dass der Lenker des Unglücksfahrzeugs, Hans Bissinger wegen des Unfalls für längere Zeit ins Gefängnis musste. 

Helmut Rienecker